Ausnahmsweise erst am Abend schlag ich die Zeitung auf und meine Gesichtszüge werden sich von Seite zu Seite düsterer. Mit «IS-Terroristen kommen frei» beginnt meine Lektüre: der türkische Präsident Erdogan lässt kurdisch bevölkerte Gebiete in Syrien erobern. Das beschäftigt die angeblich terroristischen Kurden so weit, dass diese den Kampf gegen den ISIS abklemmen müssen, um sich um ihr schieres Überleben zu kümmern. In einem Radiogespräch der vergangenen Woche sagte der XY, auf die Frage, welche rote Linien denn von den türkischen Invasoren respektiert werden sollen, dass gar keine roten Linien mehr übrig seien, die noch überschritten werden könnten. In drei Tagen sind bereits 30 Zivilisten getötet und 100000 Menschen vertrieben worden.

Dann geht’s weiter. Der «Regenwald in Brasilien wird massiv abgeholzt» steht auf Seite 2: In den ersten 9 Monaten des Jahres 2019 wurden fast 8000 km2 brasilianischer Regenwald abgeholzt, 10 mal die Fläche des Kantons Solothurn oder 1/5 der Fläche der Schweiz und doppelt so viel, wie vor einem Jahr. Die Lunge der Welt wird durch Bolsonaro, den lebenden Menschenverachter Schritt um Schritt vernichtet, damit Rinderzüchter, Kaffeplantagenbarone und andere Profitgierlinge ihre Gewinne maximieren können. Sebastião Selgado, brasilianischer Fotograf fotografiert dagegen an.

Immerhin wird auch eine goldene Kindererinnerung wach: «Biene» Maja», resp. ihrem Gesangsinterpret Karel Gott wurde im Prager Veitsdom die letzte Ehre erwiesen.

«Rechtsradikale Revolutionäre», resp. einer der ihren, S.B., 27 jährig, hat vor 4 Tagen in Halle versucht, ein Attentat in der Synagoge anzurichten. Glücklicherweise misslang es, dennoch ermordete er 2 Menschen und verletzte 2 weitere. Dabei verfolgten ein paar Perverse dessen Amoklauf, der Rechtsradikale war mit einer Kamera und online-Verbindung mit einer Videoplattform life verbunden. 24100 rechtsextreme, wovon gut die Hälfte davon gewaltorientiert, seien deutschlandweit erfasst und über 100000 Postings mit rechtsextremen Inhalten erscheinen täglich im Internet.

«Donalds Mann fürs Grobe», Rudy Giuliani, ehemaliger New Yorker Bürgergermeister und heute Anwalt von D.T. lässt verkünden, als er als Lügner entlarvt wurde: «es gibt keine Wahrheit». Ein jähzorniger, skrupelloser Egoist macht Weltpolitik und unterstützt all die unrühmlichen Entwicklungen seines Auftraggebers.

Da erscheint die SVP-Klimapolitik gerade als seichte Meldung mit humoristischem Einschlag, portiert von einem selbsternannten Klimahysteriker mit eigenem Medienformat. Dieser wettert neuerdings gegen eine marxistisch-staatliche Ökodiktatur und damit wenigstens auch das Thema in seinem Parteiapparat platzieren kann. Die Plakatkampagnen sind der Partei haben dies dankbar und unverzüglich aufgenommen und seither grinsen einem «rot-grüne» Teufelchen von den Plakatwänden an.

Traurig-müde und leicht irritierte blickt mich unser Finanzminister Ueli Maurer mit schmachtenden Hundeblick entgegen, der im Zusammenhang mit einer scheinbar echten Verwirrung um neue Kinderzulagen den Artikel schmückt.

Der vergangen Sonntag war in sonntagszeitlicher Hinsicht eine schwer verdauliche Angelegenheit. Zum Glück nur in dieser, den der Herbsttag zeigte sich von seiner schönsten Seite. Wie kann man in einer solchen Welt leben, wie kann man sich nur dazu bereit erklären, in einer Politik mitmischen zu wollen, die Ursache solcher Widerlichkeiten sind? Wie kann man nur überhaupt schon in einer solchen Welt leben? Die Antwort fällt mir leicht: gerade eben, weil ich nicht bereit bin, solche Widerlichkeiten einfach nur hinzunehmen. Weil ich bereit bin, sicherlich auch etwas in Unkenntnis dessen, was Mitglied der Nationalrats zu sein bedeutet. Ich will mich aktiv einbringen in eine Welt, in der wir einen Schritt weiterkommen wollen. Jeden Tag, führen mir meine und andere Kinder vor Augen, wie wunderbar und schön unsere Welt mit all ihren Problemen im Grunde genommen ist, wie sehr es sich doch lohnt, sich dafür einzusetzen, dass diese Welt eine etwas bessere sein kann. Es ist eine Welt, in der wir alle, jede und jeder einzelne einen Beitrag, wie gross auch immer der sein mag, leisten kann. Man muss es nur wagen.

Auch die Teilnahme an der Wahl vom 20. Oktober ist ein Beitrag. Eine Welt, die auf der Basis einer einigermassen intakten Umwelt wirtschaftet und lebt, die eine gute und chancen-vermittelnde Bildung fördert und die Gleichberechtigung lebt- 3-1-8. Am 20.Oktober! 3 Themen. 1 Zukunftsfonds. 8. Bundesratsmitglied zur Ausführung von Taten mit Hilfe dieses Fonds. semihi

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